Nistkästen aufhängen

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Nistkästen aufhängen

Viele Vögel haben heutzutage Probleme, Nistplätze zu finden. Natürliche Nistphöhlen wie in Alt-/Totholz sind vielerorts rar geworden und bei Gebäudesanierungen werden vorher vorhandene Öffnungen und Nischen oftmals geschlossen, ohne Ausweichmöglichkeiten für Gebäudebrüter zu schaffen. Du kannst jedoch im Garten Nistkästen aufhängen und Vögeln so bei der Nistplatzsuche helfen.

Nistkästen – Welches Material?

Holzbeton

Nistkästen gibt es in verschiedensten Materialien, Farben und Formen. Die besten Erfahrungen habe ich persönlich mit Nistkästen aus Holzbeton gemacht, da diese atmungsaktiv, wetterfest und langlebig sind.

Holz

Nistkästen aus Holz sind zwar ebenfalls atmungsaktiv, allerdings verzieht sich das Holz vor allem in feuchten Gegenden recht schnell und ohne regelmäßige Kontrolle auf irgendwelche unerwünschten Rissbildungen und entstandene Öffnungen kann es in den Kasten regnen und somit auf die Brut. Zudem sind viele Nistkästen aus Holz lediglich mit Teerpappe abgedeckt, die sich ebenfalls schnell löst oder rissig wird.
Nichtsdestotrotz rate ich nicht generell von einem Nistkasten aus Holz ab, es ist nur so, dass ich persönlich Nistkästen aus Holzbeton bevorzuge. Pluspunkt für Nistkästen aus Holz: Sie lassen sich problemlos in Eigenregie anfertigen und stellen somit auch ein tolles Projekt für Familien mit Kindern oder den begeisterten Hobby-Bastler dar. Darüber hinaus gibt es ein paar spezielle Nistkästen, die es nur in der Holzvariante gibt.

Kunststoff

Nistkästen aus Kunststoff sind zwar enorm wetterfest. Allerdings rate ich von dieser Variante ab, da sie nicht atmungsaktiv ist.

 

Nistkästen-Arten

Für welche Vogelarten?

Um das zu entscheiden, musst du zunächst wissen, welchen Vögeln du Nistplätze anbieten möchtest. Achte bei deiner Entscheidung darauf, welche Vögel sich bereits in deinem Garten oder in der Nachbarschaft zeigen. Bei diesen ist die Wahrscheinlichkeit natürlich höher, dass sie deine Nistkästen annehmen.

Vogelnest

Vogelnest „aufgehängt“ in Segge

Übrigens nutzen nicht alle Vogelarten angebotene Nistkästen. Manche Vogelarten sind beispielsweise Freibrüter, die ihre Nester in der Regel nicht in Höhlen oder Nischen anlegen. Sie nutzen viel eher Reisighaufen, Wildsträucherhecke, dichtes Gestrüpp in Bodennähe (wie hier im Bild) etc., um ihr Nest zu bauen.

Seltene Vogelarten?

Wenn du seltenere Vögel unterstützen möchtest, dann empfehle ich dir, die hiesigen Naturschutzverbände zu kontaktieren. In der Regel können diese dir sagen, ob die von dir gewünschte Vogelart bei dir in der Gegend vorkommt und ob es Sinn macht, Nistkästen für die von dir favorisierten Vogelarten zu erwerben … schließlich sollen die Nistkästen ja auch angenommen werden.

Solltest du aus irgendeinem Grund keine ausreichenden Informationen zu den für dich interessanten Vogelarten bekommen, dann kannst du dich auch im ADEBAR (Atlas Deutscher Brutvogelarten) schlau machen. Dort findest du viele interessante Details zu Verbreitung etc. verschiedener Brutvogelarten.
Nach deinen Recherchen kannst du dann die Nistkästen aufhängen, bei denen eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine Belegung gegeben ist.

Einflugloch & Co.

Generell ist es so, dass verschiedene Vogelarten verschiedene Nistkästen nutzen. So spielt die Größe des Einflugloches eine Rolle, aber auch die Frage, ob der Nistkasten lediglich ein Einflugloch aufweist oder ob es sich um eine sogenannte Halbhöhle handelt. Unter Halbhöhle versteht man, dass der Nistkasten auf einer Seite etwa zur Hälfte offen ist. Es gibt Vogelarten, die keine komplett geschlossenen Nisthöhlen nutzen, sondern lieber Halbhöhlen beziehen. Die Hersteller von Nistkästen geben in der Regel an, für welche Vogelarten sich die die verschiedenen Modelle eignen.

Nistkästen aufhängen – Wann?

Der ideale Zeitpunkt

Nistkästen werden idealerweise im Herbst aufgehängt. So können die Vögel in deinem Garten sich bereits damit vertraut machen und die Nistkästen eventuell in kalten Nächten auch schon als Schlafplatz nutzen.

Darüber hinaus sind Nistkästen im Winter vor allem für Bilche wie beispielsweise Garten- und Siebenschläfer interessant. Je nach Ausführung werden Nistkästen zudem unter Umständen auch von Fledermäusen aufgesucht.

Außerdem sorgt eine frühe Anbringung dafür, dass die Vögel sofort zu Beginn der Brutperiode damit beginnen können, die Nistkästen zu inspizieren und bei Gefallen dann in Beschlag zu nehmen.

Ausweichzeitpunkt

Solltest du den idealen Zeitpunkt für die Aufhängung im Herbst jedoch verpasst haben, dann kannst du Nistkästen auch noch im Januar oder Februar aufhängen. Je nach Witterung und Vogelart beginnen die Vögel zeitiger oder etwas später mit wer Nistplatzsuche und mit etwas Glück wird der Nistkasten noch im gleichen Jahr belegt. Falls nicht, dann hast du den Vögeln eben für das kommende Jahr schon etwas Gutes getan.

 

Nistkästen aufhängen – Wo?

Aufhängehöhe

Nisthöhlen kannst du an Bäumen aufhängen. Hier sollten sie etwa in 1,8-2,5 Metern Höhe angebracht werden. Beachte bitte, dass es einige Nistkästen gibt, für die spezielle, hiervon abweichende Aufhängehöhen vorgesehen sind. Normalerweise liegt dem Nistkasten ein kleines Infoblatt bei, dem du die empfohlene Aufhängehöhe entnehmen kannst. Wenn nicht dann wende dich einfach an den Hersteller, bei dem du den Nistkasten erstanden hast und frage sicherheitshalber nach.

Ein rein praktischer Tipp: Ist für den Nistkasten keine spezielle Aufhängehöhe vorgesehen, dann empfehle ich dir, die Nistkästen so aufzuhängen, dass sie zum einen zwar sicher hängen, du sie aber auch gut erreichen kannst, wenn du die Nistkästen reinigen musst. Mit ausgestreckten Armen (je nach Körpergröße) oder einer kleinen, stabil stehenden beziehungsweise fest eingebauten Trittstufe lässt sich das für viele Nistkästen auch ohne Leiter bewerkstelligen. Jeder Einsatz auf einer Leiter stellt für dich selbst eine Gefahr dar, die gerade im Garten (rutschige Sprossen, schlechter Stand der Leiter etc.) nicht unterschätzt werden sollte.

Wenn du Nistkästen allerdings an einem Platz aufhängst, der frei zugänglich ist, dann empfiehlt es sich, diese zumindest so hoch zu hängen, dass sie nicht einfach so im Vorbeilaufen erreicht werden können und so besser vor menschlicher Neugierde und Zerstörungswut geschützt sind. Am sichersten hängen Nistkästen aber letztendlich immer an einem Platz auf dem eigenen Grundstück, der nicht sofort einsehbar und/oder idealerweise eingezäunt ist.

Wetterschutz

Nistkästen sollten wettergeschützt aufgehängt werden. Das heißt zum einen, dass das Einflugloch in Richtung Südosten/Osten ausgerichtet sein sollte, damit der Wind nicht direkt in das Einflugloch pfeift. Weiterhin ist es sehr wichtig, Nistkästen so aufzuhängen, dass sie nicht der prallen Sonne ausgesetzt sind. Die Temperaturen könnten sonst in einem solchen Nistkasten ins Unermessliche steigen.

Zudem sollten Nistkästen nicht nach hinten geneigt angebracht sein, damit kein Regen durch die Öffnung(en) ins Innere gelangen und die Brut gefährden kann. Am besten hängen Nistkästen daher senkrecht oder leicht nach vorne geneigt.

Fressfeinde

Achte beim Aufhängen auch darauf, dass die Nistkästen vor möglichen Feinden wie beispielsweise Katzen und Marder bestmöglich geschützt sind. Aus diesem Grund solltest du konventionelle Halbhöhlen beispielsweise an Gebäudewänden anbringen und darauf achten, dass der Nistkasten auch durch Sprünge und geschickte Klettereien der Fressfeinde nicht zu erreichen ist.

Aber auch bei Nisthöhlen gilt es darauf zu achten, dass sie so sicher wie möglich aufgehängt werden. Achte zum Beispiel darauf, dass sich direkt unterhalb oder neben dem Nistkasten kein Ast befindet, auf den sich ein möglicher Fressfeind setzen könnte, um so bequem nach den Eiern oder Jungen zu „angeln“.

Es gibt übrigens auch Nistkästen mit sogenannten Marderschutz. Hierbei ist in den Nistkasten rund um das Einflugloch eine Art Ausbuchtung eingebaut, wodurch die Entfernung vom Einflugloch zu den Jungen im Nest etwas verlängert wird und somit das Herausziehen von Jungvögeln beispielsweise mittels Pfote erschwert wird. Trotz eines solchen Schutzes empfehle ich persönlich, sich beim Aufhängen von Nistkästen nicht alleine auf diesen Schutz zu verlassen und alle weiteren Empfehlungen bezüglich eines sicheren Nistplatzes einzuhalten.

 

Nistkästen aufhängen – Womit?

Alunagel

Sollen die Nistkästen direkt an einem Baum aufgehängt werden und gibt es keine Möglichkeit, die Nistkästen baumschonend aufzuhängen, dann sollte ein Alunagel verwendet werden. Dieser ist schonender für den Baum als die meisten handelsüblichen Schrauben oder Nägel.

Aufhängehaken

Für einige Nistkästen gibt es Aufhängehaken, die du einfach um einen Ast legen kannst und mit denen du den Nistkasten aufhängen kannst, ohne den Baum zu verletzen. Je nach verwendetem Material des Aufhängehakens kann es empfehlenswert sein, diesen beispielsweise mit Juteband oder Ähnlichem zu umwickeln, damit auch der Ast durch das Material (häufig Draht) nicht beschädigt wird. Achte bei solchen Aufhängehaken bitte auch darauf, dass die Nistkästen nicht zu stark schaukeln, sodass die Kleinen im Inneren auch bei Sturm etc. sicher sind.

 

Nistkästen aufhängen – Und danach?

Vögel beobachten

Wenn die Nistkästen aufgehängt sind, kannst du erst einmal dein Werk genießen und die Vögel in deinem Naturgarten beobachten. Wenn du das Ganze systematisch angehst, dann kannst du dabei auch interessante Erkenntnisse zu den verschiedenen Vogelarten und der Nutzung der von dir angebotenen Nistkästen machen.

Du kannst hierzu beispielsweise die Nistkästen mit Nummern versehen und dir eine Datei im Tabellenformat anlegen, in der du jedes Jahr einträgst, welcher Nistkasten von welcher Vogelart belegt wurde und ob die Brut erfolgreich war. Bei der jährlichen Reinigung der Nistkästen kannst du zudem darauf achten, welches Nistmaterial von den Vögeln verwendet wurde.
Mit der Zeit und einigen Beobachtungen kannst du gewisse Muster erkennen, wie zum Beispiel gewisse Vorlieben der verschiedenen Vogelarten in Bezug auf Nistkästen, Nistmaterial etc. Letztendlich kannst du so einige Rückschlüsse ziehen, die du wiederum nutzen kannst, um deinen Garten noch vogelfreundlicher zu gestalten.

Reinigen

Nistmaterial in NistkastenAlleine mit dem Aufhängen von Nistkästen ist es jedoch nicht getan. Einmal im Jahr müssen Nistkästen gereinigt und dabei altes Nistmaterial entfernt  werden. Im Prinzip gibt es zwei Zeitfenster, um die Nistkästen zu reinigen. Eines liegt im Spätsommer und das andere vor am Winterende vor Beginn der Brutsaison. Welche Vor- und Nachteile die beiden Zeitfenster haben, kannst du im Artikel „Nistkästen reinigen – Wann?“ nachlesen.

Von |2018-10-27T22:10:53+00:00Januar 18th, 2018|Naturgarten-Grundlagen|Kommentare deaktiviert für Nistkästen aufhängen