Turmfalke (Falco tinnunculus)

Der Turmfalke ist vielen Menschen vor allem durch seinen „Rüttelflug“ bekannt, bei dem er wie kaum ein anderer Vogel in der Luft zu stehen vermag.

  • Aussehen: Typische spitze Flügel der Falken, Männchen kleiner und bunter als Weibchen mit grauem Kopf, rostbrauner Brust, grauem Schwanz, der am Ende einen breiten, schwarzen Querstreifen aufweist.1 Weibchen rotbraune Oberseite, stark dunkel gefleckt und quergebändert sowie mit braunem Schwanz (inkl. mehrerer dunkler Querbänder).2
  • Größe/Länge: 34 cm3
  • Gewicht: 190-300 g4
  • Vorkommen: Brutvogel in Eurasien und Afrika mit Ausnahme der Wüstengebiete.5
  • Lebensraum: In allen offenen Landschaften sowie in Städten und Dörfern, besonders oft an Straßenrändern zu beobachten.6
  • Lebenserwartung: Bis zu 16 Jahre7
  • Bevorzugte Speisen: In erster Linie kleine Bodentiere, vor allem Mäuse. Auch kleine Insektenfresser wie Spitzmäuse, Maulwurf und mitunter Reptilien, Kleinvögel und Insekten.8
  • Fressfeinde: Steinmarder, Habicht, Wanderfalke9.
  • Gefährdet durch: Straßen- und Eisenbahnverkehr, Verlust wichtiger Nahrungshabitate, illegale Greifvogelverfolgung.10 Stromtod an ungesicherten Stromleitungen.11

 

Lebensweise: Der Turmfalke zeigt verschiedene Jagdstrategien. Am häufigsten findet die Jagd im Suchflug statt, zu deren Repertoire das bekannte „Rütteln“ gehört. Hierbei „steht“ der Vogel sozusagen in der Luft, indem er Auf- oder Gegenwinde geschickt ausnutzt. Neben der Suchjagd nutzt der Turmfalke auch Ansitze, welche sich nicht besonders hoch über dem Boden befinden. Von diesen Punkten aus wird die Beute beobachtet, bevor sie angeflogen wird. Nur in besonderen Fällen wie zum Beispiel zwischen den Häusern einer Stadt oder bei großen Schwärmen von Singvögeln lohnt sich die Luftjagd.12

Der Turmfalke baut kein eigenes Nest, sondern nutzt zur Eiablage Mauerlöcher, Felsspalten und -höhlen sowie ehemalige Krähen- und Elsternnester. Die 4-6 Eier sind stark braunrot oder braun gefleckt und werden im April/Mai abgelegt. Gebrütet wird circa 21-27 Tage und die Nestlingsdauer beträgt 28-32 Tage.13

 

Besonderheiten: /

 

Interessantes: Der Turmfalke variiert seine Jagdstrategien abhängig von den Jahreszeiten, um den Energieaufwand für den Beuteerwerb so gering wie möglich zu halten. So hat sich bei der Jagd des Turmfalken auf Kleinsäuger gezeigt, dass der Turmfalke die Flugjagd im Sommer wesentlich häufiger ausübt als die Ansitzjagd, während im Winter die Ansitzjagd sehr viel häufiger angewandt wird. Experimente legen die Vermutung nahe, dass die Flugjagd rund viermal so viel Energie verbraucht wie die Ansitzjagd. Zudem ist die im Sommer vom Falken aufzuwendende Energie für die Erbeutung einer Maus bei Flugjagd und Ansitzjagd etwa gleich hoch, während die Ansitzjagd im Winter (im Vergleich zur Flugjagd) nicht einmal die Hälfte des Energieaufwandes erfordert.14

Eine weitere Besonderheit des Turmfalken ist sein besonderes Sehvermögen, welches es ihm ermöglicht, sogar winzige Urinspuren potenzieller Beute auf dem Boden wahrzunehmen.15

 

Nutzen für den Naturgarten: /

 

Das hilft dem Turmfalken: Bereitstellung von Nisthilfen und Sitzkrücken, offene Landschaften mit hoher Artenvielfalt (Nahrungsangebot). Schutz von Krähen- und Elstern sowie deren Nestern, da der Turmfalke diese gerne nutzt.16 Weiterhin können Sie dem Turmfalken und allen anderen Greifvögeln helfen, indem Sie Hinweise auf illegale Greifvogelverfolgung sofort melden. Wie Sie dabei am besten vorgehen, können Sie diesem Artikel des NABU NRW entnehmen.

 

Das schadet dem Turmfalken: Pestizide

 

Auszeichnungen: Der Turmfalke ist „Vogel des Jahres 2007“ (Deutschland und Österreich),17 sowie „Vogel des Jahres 2008“ (Schweiz).18

 

Persönliche Anmerkungen: /

 

 

Literaturhinweise

BEZZEL, EINHARD: BLV Handbuch Vögel, München, BLV Verlagsgesellschaft mbH, 1996.

BURTON, ROBERT: Vögel im Garten, München, Dorling Kindersley-Verlag, 2004, 2008, 2013.

STICHMANN, WILFRIED: Der große Kosmos-Tierführer, Stuttgart, Franckh-Kosmos-Verlag, 2005.

 

  1. Vgl. BURTON (2004, 2008, 2013), S. 130. []
  2. Vgl. Bezzel (1996), S. 176. []
  3. STICHMANN (2005), S. 136/1. []
  4. URL: http://www.vogelwarte.ch/de/voegel/voegel-der-schweiz/turmfalke.html []
  5. BEZZEL (1996), S. 176. []
  6. STICHMANN (2005), S. 136/1. []
  7. URL: http://www.herz-fuer-tiere.de/ratgeber-tier/wildlife/wildtier-lexikon/t/turmfalke.html []
  8. Vgl. BEZZEL (1996), S. 177. []
  9. URL: http://www.bund-hessen.de/themen_und_projekte/natur_und_artenschutz/natur_erleben/t/turmfalke/ []
  10. URL: http://nrw.nabu.de/themen/jagd/greifvoegel/04694.html []
  11. URL: http://www.lbv-muenchen.de/unsere-themen-lbv-muenchen/artenschutz-an-gebaeuden-lbv-muenchen/arten-lbv-muenchen/voegel-lbv-muenchen/turmfalke/ []
  12. Vgl. BEZZEL (1996), S. 177. []
  13. Vgl. BEZZEL (1996), S. 176-177. []
  14. BEZZEL (1996), S. 177-178. []
  15. URL: http://www.naturschutz.landbw.de/servlet/is/67908/ []
  16. URL: http://www.nabu.de/aktionenundprojekte/vogeldesjahres/2007-turmfalke/05645.html []
  17. URL: http://www.nabu.de/aktionenundprojekte/vogeldesjahres/2007-turmfalke/ []
  18. URL: http://www.birdlife.ch/de/content/vogel-des-jahres-2008-turmfalke []