Todschick | Edle Labels, billige Mode – unmenschlich produziert

* Bild-Quelle: Amazon-Partnerprogramm

Das Buch wurde mir vom Heyne Verlag kostenlos für eine Rezension zur Verfügung gestellt.

Inhalt

Gisela Burckhardt gibt in ihrem Buch Todschick* Einblicke in die Gegebenheiten von Mode- und Textilindustrie, die in Billiglohnländern produziert. Anhand des Beispiels Bangladeschs zeigt sie, wie ein Leben als (meist weibliche) Arbeitskraft aussieht und erklärt die Diskrepanz zwischen Lebenshaltungskosten und Lohn. Zudem zeigt sie auf, unter welch gefährlichen Bedingungen die tägliche Arbeit in den Fabriken stattfindet. Um letzteres zu verdeutlichen, werden insbesondere die Katastrophen von Rana Plaza und Tazreen genauer erläutert. Zudem beschreibt die Autorin die Auswirkungen der Katastrophen auf Arbeiter(innen), Sicherheitsabkommen und beschreibt Reaktionen der Politik.

Weiterhin zeichnet Gisela Burckhardt ein Bild davon, wie Sicherheitsüberprüfungen im Lande ablaufen, was bezüglich Korruption im argen liegt, taucht tiefer in die Frage ein, ob es zwischen Luxuslabel und Discounterangeboten im Hinblick auf Produktionsbedingungen Unterschiede gibt und gibt einen tabellarischen Überblick über die Bedingungen in zwölf anonym gehaltenen Fabriken, um dem Leser das vorherrschende System zu verdeutlichen.

Die Autorin beendet ihr Buch mit einem Appell an die Politik, gesetzliche, verbindliche Vorgaben für Unternehmen im Hinblick auf die Einhaltung von Sozialstandards zu gestalten und gibt weitere Ideen für eine globale Herangehensweise, um die Bedingungen für die Arbeiter in den Fabriken zu verbessern. Darüber hinaus zeigt sie auf, welche Möglichkeiten sich als Konsument bieten, Einfluss auf die Modeindustrie zu nehmen und somit eine Wende zum Besseren zu erreichen.

 

Rezension

Für die Lektüre des Buches habe ich rund 8 Stunden benötigt. Die Wortwahl ist angenehmerweise recht einfach gehalten, vermutlich auch deshalb, weil sich das Buch vor allem an Konsumenten richtet. Im Buch kommen recht häufig Abkürzungen für Organisationen, Gewerkschaften, Verbände etc. vor, die für den unvorbereiteten Leser neu und deshalb stellenweise etwas verwirrend sein können. So war es zumindest bei mir. Da am Ende des Buches jedoch eine Liste vorliegt, in der die Abkürzungen erklärt werden, ist dies nicht weiter problematisch. Wer Probleme damit hat, sich die Abkürzungen während der Lektüre des Buches zu merken, kopiert am besten einfach diese Liste, um während der Lektüre ohne dauerndes Umblättern immer wieder darauf zugreifen zu können. Das Buch ist komplett in Schwarz-Weiß gehalten. Die Texte werden durch einige Bilder, Tabellen und Info-Boxen ergänzt, was den Text angenehm auflockert.

Jetzt aber zur eigentlichen Lektüre. Die Autorin scheut sich in ihrem Buch nicht, Missstände wie Korruption bei Bau und Kontrollen von Fabrikgebäuden, fehlende Sicherheitsvorkehrungen und weitere Machenschaften konkret anzusprechen. Sie zeigt, unter welch unmenschlichen Bedingungen die Frauen für einen Hungerlohn arbeiten, wie viele Überstunden sie leisten und was sie dabei an Beschimpfungen etc. erdulden müssen.

Was das Buch aus meiner Sicht besonders interessant macht, ist unter anderem die Tatsache, dass Gisela Burckhardt konkrete Namen von Unternehmen der Bekleidungsindustrie nennt, sowie deren Umgang mit Katastrophen wie Rana Plaza erläutert. Darüber hinaus beschreibt sie Zustände in einigen Produktionsstätten, in denen auch hiesige Modelabels produzieren lassen. Die Autorin belegt ihre Argumentationen mehrfach mit konkreten Daten, Zahlen und Statements,.

Sehr aufschlussreich finde ich persönlich auch die immer wieder einmal eingeflochtenen persönlichen Berichte von Arbeiterinnen, Prüfern, Opfern von Katastrophen in den Fabriken etc. Hierdurch entsteht ein sehr greifbares Bild des unmenschlich harten Arbeitsalltags der Arbeiter(innen), des erschreckenden Zustands der Fabriken und der Folgen, die Überlebende von Katastrophen wie beispielsweise von Rana Plaza und deren Familien treffen.

 

Fazit

Todschick ist ein wirklich gelungenes Buch über ein Thema, das leider meist erst nach großen Katastrophen wieder vermehrte Aufmerksamkeit erfährt, das aber durch die Macht des Konsumenten durchaus beeinflussbar ist. Gerade deshalb ein Buch, das es ohne jede Frage verdient, gelesen zu werden.

 

Bewertung

Gesamtbewertung: 5

(1 = nicht empfehlenswert / 5 = sehr empfehlenswert)

 

Weitere Informationen

  • Autorin: Gisela Burckhardt
  • Broschiert: 240 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • Erscheinungstermin: 10. November 2014

 

Hinweis

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