Seidenschwanz (Bombycilla garrulus)

Der Seidenschwanz besucht unsere Gärten nur als Wintergast und auch das nicht jedes Jahr, sondern in der Regel nur, wenn Nahrungsknappheit ihn dazu zwingt.

  • Aussehen: Beigefarbener Vogel mit auffälliger Haube. Grauer Schwanz mit gelbem Streifen, Schwanzunterseite rostrot, schwarzer Augenstreifen.1
  • Größe/Länge: 18 cm2, Flügelspannweite 32-35 cm3
  • Gewicht: 40-68 g4
  • Vorkommen: Brutvogel im Norden Eurasiens und in Nordwestamerika; in Europa in Nordfinnland und -rußland5
  • Lebensraum: In Nadel- und Birkenwäldern6.Bei uns im Winter an beeren- und früchtetragenden Sträuchern und Bäumen, in Wäldern, Parks, Gärten.7
  • Lebenserwartung: 13 Jahre und 5 Monate (maximal nachgewiesene Lebensdauer eines freilebenden, beringten Vogels). Durchschnittsalter wesentlich niedriger.8
  • Bevorzugte Speisen: Im Sommer Insekten.9 Im Winter Beeren aller Art sowie Obst.10 Beliebte Beeren sind: Ebereschen, Cotoneaster, Misteln und Liguster.11 Zudem Früchte des Gewöhnlichen Schneeballs.12
  • Fressfeinde: Greifvögel
  • Gefährdet durch: Nahrungsknappheit im Winter in Verbindung mit extremer Witterung (Frost, Schneefall)

 

Lebensweise: Zur Brutzeit wird in bis zu 15 Metern Höhe ein Nest dicht am Baumstamm gebaut. Ein Gelege besteht aus 5-6 blassblauen Eiern, welches vom Weibchen 14-15 Tage bebrütet wird. Danach dauert es abermals 14-15 Tage, bis die Jungen flügge sind.13

Der Seidenschwanz ist ein geselliger Vogel, der abseits der Brutzeit in Trupps lebt und auch dem Menschen gegenüber nur wenig Scheu zeigt. Auch diesem Umstand ist es zu verdanken, dass er bei Einflügen im Winter gut an Futterstellen gewöhnt werden kann.

 

Besonderheiten: Nahrungsknappheit veranlasst den Seidenschwanz immer wieder, seine Winterquartiere zu verlassen, wobei er im Verbund mit anderen Seidenschwänzen explosionsartig in entfernt gelegenen Gegenden einfällt.14

Dieses Phänomen tritt sehr unregelmäßig auf. Zwischen 1900 und 1990 hat es rund 22 große „Invasionen“ gegeben. Kommt es zu einem Einfall von Seidenschwänzen, so können Ende Oktober/Anfang November die ersten auftauchen. Die letzten Seidenschwänze fliegen in manchen Jahren erst im April wieder ab.15

Allerdings beschränkt sich die Gegenwart des Seidenschwanzes nicht nur auf große Einflüge. So sind in jedem Winter einzelne Exemplare bei uns zu Gast.16

 

Interessantes: Der Seidenschwanz ist aufgrund seiner Großinvasionen seit dem Mittelalter auch als „Pestvogel“ bekannt.17 Unter anderem hat das unregelmäßige Auftreten des invasionsartig einfallenden Vogels dazu geführt, dass die Menschen ihn als Unglücksboten ansahen, der ihrer Meinung nach Krankheiten, Kriege und Hungerkatastrophen ankündigte.18

 

Nutzen für den Naturgarten: Ein ausgefallener, seltener  und hübsch anzusehender Besucher.

 

Das hilft dem Seidenschwanz: Bepflanzung des Gartens mit beerenreichen Sträuchern/Bäumen. Hierbei sind vor allem Eberesche und Gewöhnlicher Schneeball zu nennen. Auch Cotoneaster, Feuerdorn, Heckenrose sind für ihn attraktiv.19 Winterfütterung (lässt sich mit Äpfeln, Rosinen und den lackroten Beeren des Schneeballs gut an Futterstellen locken).20 Eine deutliche Platzierung auffälliger Beeren am Futterhaus erhöht die Annahme durch den Seidenschwanz.21

 

Das schadet dem Seidenschwanz: Fehlende Beeren in der Winterzeit

 

Auszeichnungen: /

 

Persönliche Anmerkungen: Bislang habe ich bei uns noch keinen Einfall von Seidenschwänzen beobachten können, allerdings stehen die Chancen in nördlicheren Bundesländern dafür vermutlich auch etwas besser.

 

 

Literaturhinweise

BERTHOLD, PETER / MOHR; GABRIELE: Vögel füttern – aber richtig, Stuttgart, Franckh-Kosmos-Verlag, 2006.

BEZZEL, EINHARD: BLV Handbuch Vögel, München, BLV Verlagsgesellschaft mbH, 1996.

BURTON, ROBERT: Vögel im Garten, München, Dorling Kindersley-Verlag, 2004, 2008, 2013.

STICHMANN, WILFRIED: Der große Kosmos-Tierführer, Stuttgart, Franckh-Kosmos-Verlag, 2005.

 

  1. Vgl. BURTON (2004, 2008, 2013), S. 157. []
  2. STICHMANN (2005), S. 64. []
  3. BURTON (2004, 2008, 2013, S. 157. []
  4. URL:http://www.vogelwarte.ch/de/voegel/voegel-der-schweiz/seidenschwanz.html []
  5. BEZZEL (1996), S. 387. []
  6. Vgl. BURTON (2004, 2008, 2013), S. 157 []
  7. BEZZEL (1996), S. 387. []
  8. URL: http://www.vogelwarte.ch/de/voegel/voegel-der-schweiz/seidenschwanz.html []
  9. BEZZEL (1996), S. 387. []
  10. Vgl. BERTHOLD/MOHR (2006), S. 73. []
  11. Vgl. BEZZEL (1996), S. 387. []
  12. Vgl. BURTON (2004, 2008, 2013), S. 54. []
  13. Vgl. BURTON (2004, 2008, 2013), S. 157. []
  14. Vgl. BURTON (2004, 2008, 2013), S. 157. []
  15. Vgl. BEZZEL (1996), S. 387. []
  16. URL: http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/voegel/news/04592.html []
  17. Vgl. BERTHOLD/MOHR (2006), S. 73. []
  18. URL: http://www.bund-hessen.de/themen_und_projekte/natur_und_artenschutz/natur_erleben/s/seidenschwanz/ []
  19. Vgl. BURTON (2004, 2008, 2013), S. 157. []
  20. Vgl. BERTHOLD/MOHR (2006), S.73. []
  21. URL: http://www.bund-hessen.de/themen_und_projekte/natur_und_artenschutz/natur_erleben/s/seidenschwanz/ []