Kleine Hände – großer Profit

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Das Buch wurde mir vom Heyne Verlag kostenlos für eine Rezension zur Verfügung gestellt.

Inhalt

In seinem Buch Kleine Hände – großer Profit: Kinderarbeit – Welches ungeahnte Leid sich in unserer Warenwelt verbirgt* berichtet Benjamin Pütter über die Problematik Kinderarbeit und greift dafür sowohl auf seine umfangreichen eigenen Erfahrungen als Kinderarbeitsexperte zurück als auch auf reine Zahlen und Fakten.

Das Buch beginnt mit der Schilderung einer Befreiungsaktion. Im Zuge dieser werden mehrere Kinder, die für einen Knüpfstuhlbesitzer in Indien arbeiten, befreit.

Daran anschließend folgen Informationen zu Land, Kultur und Gesellschaft in Indien, auf dem der Schwerpunkt dieses Buches liegt. Danach stellt der Autor verschiedene Produktionsbereiche wie beispielsweise Teppichindustrie, Natursteinindustrie und diverse andere vor, in denen Kinderarbeit eingesetzt wird.

Im weiteren Verlauf des Buches geht Benjamin Pütter auf Hintergründe und Ursachen der Misere ein, so zum Beispiel auf den Zusammenhang zwischen (fehlender) Schulbildung und Kinderarbeit sowie das Konsumverhalten in Industriestaaten. Auch einige Reaktionen der Industrie, wenn mit Vorwürfen der Kinderarbeit konfrontiert, werden beleuchtet.

Benjamin Pütter erläutert diverse Siegel und gibt Hinweise dazu, welche Siegel vertrauenswürdig sind. Auch geht er darauf ein, wie das Thema Kinderarbeit in deutschen Kommunen, Landesregierungen und in juristischen Auseinandersetzungen in Deutschland behandelt wird.

Am Ende seines Buches stellt er zudem ein umfassendes Programm vor, mit dem er den Kampf gegen Kinderarbeit langfristig erfolgreich weiterführen will.

 

Rezension

Für die Lektüre des Buches habe ich etwas mehr als 3,5 Stunden benötigt. Der Sprachstil des Buches ist sehr angenehm. Die Textabschnitte im Buch sind in Schwarz-Weiß gehalten, unterbrochen von einem aus Farbfotos sowie Abbildungen bestehenden Mittelteil mit sechs Doppelseiten.

Besonders gut an diesem Buch gefällt mir die unaufgeregte Schreibweise des Autors. Trotz der noch immer erschreckenden Zahlen rund um Kinderarbeit versteht es der Autor, den Finger einerseits in die Wunde zu legen, die Zusammenhänge aber andererseits ohne erhobenen Zeigefinger zu kommunizieren. Vielmehr lässt er die Zahlen und Fakten für sich selbst sprechen und bleibt diesem Stil auch an den Stellen treu, an denen er die Beteiligung der Industriestaaten am Thema Kinderarbeit herausarbeitet.

Äußerst interessant sind auch die Einblicke in die Mischung aus gesellschaftlichen Strukturen (Kastensystem, Schuldknechtschaft), Korruption und fehlender Bildung, die auf indischer Seite dazu führen, dass Kinderarbeit noch immer ein riesiges Problem darstellt. Auch die Nennung der verschiedenen Industriezweige, in denen Kinderarbeit eingesetzt wird, wird den ein oder anderen überraschen: Hierunter fallen neben der Teppichindustrie auch Produktionsbereiche wie Natursteinindustrie, Schmuck-, Räucherstäbchen-, Zigaretten-, Waffenproduktion und andere.

Sehr gelungen finde ich an diesem Buch auch die Tatsache, dass der Autor immer wieder einmal die Geschichten und Denkweisen realer Personen einbindet, seien es Teppichimporteure, Steinimporteure, Kinderarbeiter oder Eltern betroffener Kinder. So entsteht eine angenehme Balance aus persönlichen Erfahrungen und Emotionen sowie den reinen Zahlen und Fakten.

Doch der Autor bietet neben Aufklärung über die aktuelle Situation der Kinderarbeit auch Handlungsempfehlungen an: So stellt Benjamin Pütter ein paar Siegel für Steine und Teppiche vor, die für mehr Gerechtigkeit bzw. eine Produktion ohne Kinderarbeit stehen sollen und gibt dazu seine Einschätzung in puncto Glaubwürdigkeit ab. Zudem sensibilisiert er generell für das Thema Zertifikate/Siegel, die nicht von unabhängigen Organisationen ausgestellt wurden. Ebenso erläutert er sein Programm gegen Kinderarbeit, das aus acht Punkten besteht und das langfristig zum Erfolg führen soll.

Was das Thema an sich angeht, so erfüllt das Buch die wichtige Aufgabe, das Thema Kinderarbeit wieder stärker in den Vordergrund zu rücken. Denn obwohl es ein internationales Vertragswerk gegen Kinderarbeit gibt, findet sie dennoch noch immer statt.

 

Fazit

Kleine Hände – großer Profit ist ein eindringlicher und sehr gelungener Appell, das Thema Kinderarbeit wieder stärker in den Fokus von Politik, Industrie und Öffentlichkeit zu bringen.

 

Bewertung

Gesamtbewertung: 5

(1 = nicht empfehlenswert / 5 = sehr empfehlenswert)

 

Weitere Informationen

  • Autor: Benjamin Pütter
  • Broschiert: 224 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • Erscheinungstermin: 13. Juni 2017

 

Hinweis

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