Kleiber (Sitta europaea)

Kleiber an BaumstammDer Kleiber ist ein bekannter Vogel, der sich recht häufig im eigenen Garten beobachten lässt und dabei gerne vorhandene Futterstellen nutzt.
 

Merkmale Kleiber

  • Aussehen: Oberseite graublau, Unterseite hell rostfarben, kräftiger, schwarzer Streifen durch das Auge, kurzer Schwanz.1
  • Größe/Länge:  14 cm2
  • Gewicht:  12-18 g3
  • Vorkommen: Brutvogel von Europa (in einigen Gebieten fehlend) über Teile Asiens bis an die Pazifikküste sowie in Marokko.4
  • Lebensraum: Wälder, Parks, Gärten mit älterem Laubbaumbestand und darin vorhandener Nisthöhlen.5
  • Lebenserwartung:  2-3 Jahre6
  • Bevorzugte Speisen: Insekten, Kleintiere, Sämereien.7
  • Fressfeinde:  Greifvögel, Rabenvögel, Marder
  • Gefährdet durch: Ausräumung von Alt-/Totholz in Wäldern, Verlust von Laubwaldbeständen

 

Lebensweise/Fortpflanzung:

Der Kleiber brütet in Höhlen. Hierbei bezieht er häufig alte Spechthöhlen, in denen er sein Nest, welches meist aus Rindenstückchen besteht, anlegt. Ab April legt der Kleiber 5-9 Eier mit rötlichen und braunen Flecken und Punkten. Die Eier werden 14-18 Tage bebrütet und die Jungen werden circa 23-25 Tage von den Elterntieren versorgt.8

Besonderheiten:

Der Kleiber ist vor allem für eine Besonderheit bekannt: nämlich dafür, dass er den Stamm eine Baumes mit dem Kopf voran auch nach unten klettern kann, ohne dabei seinen Schwanz als Stütze einzusetzen. Seinen Weg nach unten legt er hierbei häufig in einem leichten Zickzackkurs zurück.9

Interessantes:

Kleiber verklebt EinfluglochDer Name Kleiber geht auf „kleben“ zurück und verweist auf die Angewohnheit des Kleibers, zu große Höhleneingänge mittels feuchter Erde zu verkleinern. Neben solchen Höhleneingängen werden auch scharfe Kanten, Ritzen etc. im Inneren der Nisthöhle verklebt. Sinn der Verkleinerung des Einflugloches beispielsweise besteht vermutlich in der Fernhaltung größerer Konkurrenten (hierzu gehört zum Beispiel der Star).10

Auf dem obigen Bild ist zu erkennen, wie der Kleiber die Ausbuchtung an der Innenwand des Nistkastens mit Erde so verklebt hat, dass sie nun deutlich kleiner ist. Die Erde ist so gut verbaut und so hart geworden, dass sie sich nur mit geeignetem Handwerkszeug wieder restlos entfernen lässt. Somit stellt sie zwar keinen absolut sicheren, aber dennoch einen soliden zusätzlichen Schutz für das Kleiber-Nest dar.

Nutzen für den Naturgarten:

Insektenregulierung

Das hilft dem Kleiber:

Nistkästen, Futterstelle mit Sämereien (Sonnenblumenkerne!), Erdnüssen und Fettfutterprodukten, Alt-/Totholz

Das schadet dem Kleiber:

Pestizide

Auszeichnungen:

Der Kleiber ist „Vogel des Jahres 2006“ in Deutschland11 und Österreich.

Persönliche Anmerkungen:

Der Kleiber gehört zu den Vogelarten, die sich wunderbar im eigenen Garten beobachten lassen, vor allem dann, wenn sich in Gartennähe ein Wald beziehungsweise einige höhere Bäume befinden.

Hierbei zeigt sich der Kleiber in der Regel recht wenig scheu und kommt beim Auffüllen einer Futterstelle mit als einer der ersten angeflogen. Apropos Futterstelle: Der Kleiber nutzt Futterstellen im Garten äußerst gerne und häufig kann er dabei beobachtet werden, wie er mehrere Samen in den Schnabel nimmt, um sie an verschiedenen Stellen in seinem Revier zu deponieren. Sind die Samen sicher untergebracht, startet der Kleiber seinen nächsten Flug zur Futterstelle, um sein kleines Vorratslager langsam aber stetig zu füllen. So gut und gerne der Kleiber übrigens klettert, so nutzt er dennoch nicht nur Bäume zur Futtersuche, sondern sucht auch den Boden ab.

Meinen Erfahrungen nach werden Nistkästen vom Kleiber außerordentlich gut angenommen. Hat er die Auswahl, so bevorzugt er in der Regel etwas größere Nistkästen, wobei er das Einflugloch (zum Beispiel bei Nistkästen mit Marderschutz in Form einer Ausbuchtung am Einflugloch) mit feuchter Erde zukleistert und dadurch verkleinert.

Rindenstücke Nisthöhle KleiberDer Nestbau im Inneren des Nistkastens erfolgt meinen Beobachtungen nach fast immer mit kleinen Rindenstückchen. Nun handelt es sich bei diesen Rindenstückchen allerdings nicht um harte, dicke Teilchen, sondern in der Regel um hauchdünne, fast blattähnliche „Scheibchen“ der Rinde, die locker ins Innere eingebracht werden, wie im Bild rechts zu sehen. Im Vergleich zu anderen Vogelarten ist mir aufgefallen, dass der Kleiber häufig mehr Material einträgt und das Nest somit höher sein kann.

An der Futterstelle zeigt sich der Kleiber anderen Vogelarten gegenüber sehr verträglich.

Literaturhinweise

BERTHOLD/MOHR: Vögel füttern – aber richtig, Stuttgart, Franckh-Kosmos-Verlag, 2006.

BEZZEL, EINHARD: BLV Handbuch Vögel, München, BLV Verlagsgesellschaft mbH, 1996.

BURTON, ROBERT: Vögel im Garten, München, Dorling Kindersley Verlag GmbH, 2004, 2008, 2013.

HUME, ROB: Vögel in Europa, München, Dorling Kindersley Verlag GmbH, 2002, 2007, 2010, 2013, 2016.

STICHMANN, WILFRIED: Der große Kosmos-Tierführer, Stuttgart, Franckh-Kosmos-Verlag, 2005.

 

  1. Vgl. BURTON (2004, 2008, 2013), S. 191. []
  2. STICHMANN (2005), S. 84/4. []
  3. HUME (2016), S. 328. []
  4. Vgl. BEZZEL (1996), S. 460. []
  5. Vgl. STICHMANN (2005), S. 84/4. []
  6. HUME (2016), S. 328. []
  7. Vgl. BEZZEL (1996), S. 460. []
  8. Vgl. BEZZEL (1996), S. 460. []
  9. Vgl. BERTHOLD/MOHR (2006), S. 59. []
  10. Vgl. BEZZEL (1996), S. 461. []
  11. Nabu. Der Kleiber ist „Vogel des Jahres 2006“. Stand: 25.01.18. https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/2006-kleiber/index.html []