Genbombe

* Bild-Quelle: Amazon-Partnerprogramm

Das Buch wurde mir vom Heyne Verlag kostenlos für eine Rezension zur Verfügung gestellt.

Inhalt

In ihrem Buch Genbombe: Wie sich genmanipulierte Lebensmittel unbemerkt in unser Essen schleichen* gibt Caitlin Shetterly einen umfassenden Einblick in das Thema GVO (gentechnisch veränderte Organismen) und deren Auswirkungen.

Angetrieben von langjährigen gesundheitlichen Problemen an deren Ende die Diagnose „allergisch auf genmaniupulierten Mais“ steht, reist die Autorin quer durch Amerika sowie nach Europa, um im Gespräch mit Experten, Wissenschaftlern, Befürwortern und Gegnern von genmanipulierten Lebensmitteln ein Bild zu zeichnen von einem Lebensmittelkampf, der dem „normalen“ Verbraucher auf der Suche nach seinen täglichen Lebensmitteln in der Regel verborgen bleibt.

Im ersten Teil des Buches berichtet die Autorin zunächst von den gesundheitlichen Problemen ihres kleinen Sohnes, denen sie durch eine Ausschlussdiät auf die Spur kommt. Im Zuge dieser entdecken die Eltern, dass seine Symptome nach Aufnahme von Mais aufflammen.
Beim Versuch, Mais, zu eliminieren, stellt Caitlin Shetterly jedoch recht schnell desillusioniert fest, dass dieser fast überall enthalten ist: in Backpulver, Teebeuteln, Saft, Zahnpasta, in der Wachsummantelung von Obst etc.
Genau zu dieser Zeit werden auch Caitlins eigene, gesundheitliche Problemen wie starke Kopf- und Gliederschmerzen, Hautausschlag, Übelkeit, extreme Müdigkeit und Schlaflosigkeit, die sie schon seit mehreren Jahren begleiten, wieder stärker. Am Ende einer langen Odyssee, die sie von Arzt zu Arzt führt, steht schließlich die Diagnose, allergisch auf genmanipulierten Mais zu sein.

Nach Umstellung ihres kompletten Konsumverhaltens und dem damit verbundenen – wann immer möglichen – Verzicht auf GV-Mais verschwinden die Symptome sowohl bei der Autorin als auch ihrem kleinen Sohn nach und nach. Angetrieben von ihren eigenen Erfahrungen beschäftigt sich die Autorin nun zunächst damit, was gentechnisch veränderter Mais eigentlich ist. Ihre Recherchen führen sie zunächst in die Kornkammer Amerikas, in der sie sich mit dem jungen Landwirt Zach unterhält, der GV-Mais und -Soja anbaut.

Im Anschluss daran sucht sie den ehemaligen Monsanto-Forscher und Saatgutexperten Richard Goodman auf, der an der Universität von Nebraska-Lincoln arbeitet, um ihn zum Thema GVO zu befragen. Danach geht es quer durch Iowa zu den Gründern der Anti-GVO-Aktivistengruppe „Food Democracy Now!“, um deren Argumente und Einwände in Erfahrung zu bringen.

Im zweiten Teil des Buches beschäftigt sich die Autorin dann mit den Auswirkungen von GVO auf Honig. Im Zuge ihrer Recherche reist Caitlin Shetterly zunächst nach Belgien, wo sie im Imker Walter Haefeker einen Ansprechpartner und Begleiter zur Bienenzüchtertagung findet. Dieser begleitet sie weiter nach Köln, um sie dort mit dem Juristen Wolfgang Koehler bekannt zu machen, der im Ministerium für Verbaucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft die Kennzeichnung von GVO Anfang der 2000er-Jahre überwacht hatte. Zuletzt trifft sich Caitlin Shetterly in München mit dem Imker Karl-Heinz Bablok, der in seinen Bienenstöcken, die in der Nähe eines Feldes mit GV-Mais stehen, GVO-Pollen entdeckt und somit zum Gesicht im Kampf der Imker gegen GVO wird.

Im dritten und letzten Teil des Buches trifft sich die Autorin und Journalistin mit dem Wissenschaftler Ignacio Chapela. Dieser hatte in einer naturwissenschaftlichen Zeitschrift eine Studie veröffentlicht, welche nahelegte, dass im Hochland von Oaxaca in Mexiko eine alte regionale Maissorte durch GV-Mais aus den Vereinigten Staaten kontaminiert wurde.

Im Epilog des Buches lässt die Autorin Begegnungen, Argumente und eigene Erkenntnisse, die ihr während ihrer Recherche zuteil werden, noch einmal Revue passieren.

 

Rezension

Für die Lektüre des Buches habe ich etwas mehr als 6,5 Stunden benötigt. Das Buch ist komplett in Schwarz-Weiß gehalten.

Eines gleich vorneweg: Beim vorliegenden Buch handelt es sich sicherlich um keine leichte Lektüre. Dies ist allerdings keine Kritik, sondern eher etwas, dessen man sich bewusst sein muss, bevor man sich an die Lektüre dieses Buches macht. Zum einen trägt natürlich der Umfang des Buches mit 416 Seiten hierzu bei, zum anderen aber auch einfach die Thematik. Um den Sachverhalt verständlich zu machen, muss die Autorin an einigen Stelle auf Fachbegriffe zurückgreifen, da ohne diese eine Vermittlung des Themas einfach nicht möglich ist. Ein gewisses Hintergrundwissen in Biologie/Medizin, ein entsprechendes Nachschlagewerk oder das Internet helfen sicherlich bei der Lektüre einiger Stellen.

Naturgemäß behandelt ein nicht zu vernachlässigender Teil des Buches die Situation in Amerika, da die Autorin Amerikanerin ist. Persönlich hat mich das nicht gestört, da es sich bei diesem Thema zum einen ja um ein globales handelt und da zum anderen vor allem im zweiten Kapitel, in dem es um Honig geht, auch Europa bzw. Deutschland, nicht zu kurz kommt.

Was Caitlin Shetterly in diesem Buch zusammengestellt hat, ist enorm. Die Menge an Informationen, die sie zusammengetragen hat und auch ihre Bereitschaft, quer durch die Welt zu reisen, um in ihren Augen geeignete Interviewpartner zu finden, ist absolut bewundernswert. Hinzu kommt noch, dass sie als gelernte Journalistin natürlich weiß, wie eine gelungene Recherche aussieht.

Im Zuge derer trägt sie ihre eigenen Ergebnisse aus der Lektüre unzähliger Studien, Webseiten und Sachbüchern ebenso zusammen wie die Gespräche mit ihren Gesprächspartnern und eigene Erkenntnisse. Herausgekommen ist ein Buch, das den Leser nicht nur einen umfassenden Einblick rund um die Thematik genmanipulierter Lebensmittel vermittelt, sondern sich stellenweise aufgrund der Geschehnisse auch noch so spannend wie ein Thriller liest. Welch ein Kampf verschiedenster Interessen um unsere Lebensmittel im Grunde im Hintergrund tobt, wird einem wohl erst nach der Lektüre des Buches so richtig bewusst.

Besonders aufgefallen ist mir an diesem Buch die objektive Herangehensweise, die die Autorin während der Arbeit an ihrem Buch einzuhalten versucht. Nicht nur, dass sie sich gezielt Gesprächspartner sowohl aus dem Lager der GVO-Gegner als auch der Befürworter sucht, sie ist auch in der Lage, Argumente und Verhaltensweisen aus dem jeweils anderen Lager stehen zu lassen und verstehen zu können. Wenn man die Ursache von Caitlin Shetterlys eigenen gesundheitlichen Problemen berücksichtigt, beeindruckt diese Leistung umso mehr.

So fesselnd das Buch alles in allem geschrieben ist, gibt es auch die ein oder andere Passage, die meinem persönlichen Empfinden nach etwas kürzer hätte ausfallen dürfen … vor allem im Hinblick darauf, dass das Buch ohnehin schon recht umfangreich ist.

Davon abgesehen Hut ab für diese fundierte Recherche und Glückwunsch zu einem Buch, das hilft, Verbraucher mündiger zu machen, indem man als solcher erfährt, welche Komplexität sich hinter den drei unscheinbar wirkenden Buchstaben GVO überhaupt verbirgt.

 

Fazit

Genbombe ist ein in jedem Sinne herausforderndes Buch, das einen sehr guten Einblick in das komplexe Thema genmanipulierter Lebensmittel vermittelt und dabei unbekannte Fakten aufdeckt, die sprachlos machen.

 

Bewertung

Gesamtbewertung: 4,5

(1 = nicht empfehlenswert / 5 = sehr empfehlenswert)

 

Weitere Informationen

  • Autor: Caitlin Shetterly
  • Broschiert: 416 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • Erscheinungstermin: 10. Juli 2017

 

Hinweis

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